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Risiko Zahnarztpraxis – Risiko Gesundheitswesen

Ein Veto für den Zahnarzt

Der eigentliche Held von heute ist der Zahnarzt. Indiana med. Dent. Jones in Weiß benutzt Dentalspiegel statt Peitsche. Letztere hat er sicher öfter insgeheim visualisiert, denkt er an den stetig steigenden unternehmerischen Druck und die zunehmenden Auflagen aus Berlin. Kein Wunder also: Die Anzahl der Praxen, die unter Bankenaufsicht stehen, nimmt stetig zu. Wo genau liegen aber die versteckten Risiko-Fallen beim Unternehmen Zahnarztpraxis? Und wie wirkt sich das Vabanque-Spiel auf die Hauptperson, den Praxisinhaber, aus?

Drama-Beginn – Weg in die Krise
Ist die potentielle Marktposition mit Hilfe entsprechender Tools analysiert, die Strategie entwickelt, Hard- und Software installiert und die Praxis eröffnet, ist schon viel Zeit und Schweiß geflossen, aber das wirkliche Drama beginnt erst jetzt. Der Held stellt sich seinen Aufgaben bezüglich Therapie und Unternehmensführung zum einen sowie seinen Widersachern - sprich Wettbewerb - zum anderen. Im Grunde ist er bestens gewappnet und auf alles vorbereitet. Wirklich auf alles? Was passiert, wenn sich plötzlich die Voraussetzungen ändern? Das Honorar entspricht nicht mehr Aufwand und Leistungen. Dafür werden die Patienten immer anspruchsvoller. Die Konkurrenz will einfach nicht schlafen, der Druck wächst, das Abrechnungssystem nervt und die Gesundheitspolitik tanzt Twist mit unserem Indi Jones in Weiß; hin und her und noch eine Auflage mehr.
Die Zeit verrinnt und fehlt schließlich für Patienten, Praxisführung und last not least privat für die Familie und den Praxis-Chef selber. Schnell sinkt die Patientenzahl mit proportional steigendem Stresspegel beruflich wie privat. Davon hat an der Universität aber keiner etwas gesagt. Das Ergebnis: Viele Praxisinhaber und -inhaberinnen fühlen sich zunehmend fremdbestimmt und persönlich eingeschränkt. War die Berufswahl wirklich richtig?

Gründeroptimismus, Strategie und Kalkulation werden so plötzlich den Boden unter den Füßen weggerissen und der Held in Weiß baumelt plötzlich ungesichert nur noch mit einer Hand an einem Tau hin und her; von einem Versuch, Halt zu bekommen zum anderen. Er improvisiert und macht es dadurch nicht besser. Ganz im Gegenteil; die Hindernisse, die er zu überwinden hat, werden von Mal zu Mal größer und größer. In Spielfilmen kommt jetzt nach diesem „deepest shitpoint“ unweigerlich die Wende zum Guten und zum Happy End. Aber dies ist nur Fiktion. In Wahrheit - und auf unseren Praxis-Helden angewandt - droht mit dem Risiko der Praxisschieflage schon bald der Ruf um „Letzte Hilfe“ beim Amtsgericht. Aber so weit muss und soll es bei Ihnen nicht kommen.

Eine Krise ist nichts Unnatürliches
Krisen gehören ganz einfach zu den möglichen, natürlichen Begleiterscheinungen einer freiberuflichen, ärztlichen Tätigkeit. Das Meistern derselben ist dabei schwierig, weil in der Regel nicht erlernt. Die schlechte Nachricht: Es gibt kein Patentrezept für eine Praxissanierung, denn jede Praxiskrise ist anders gestaltet. Aber was genau ist eine Krise? Pragmatisch betrachtet ist eine Praxiskrise schlichtweg ein Zustand ungenügender Erträge und nicht ausreichender Liquidität. Aber es steckt noch mehr dahinter.

Risiko-Ursachensuche - Sieben auf einen Streich
Der erste Schritt ist immer die Suche nach der Ursache, um die richtigen Mittel für die Bekämpfung des Symptoms am Ende identifizieren zu können. Zuerst müssen der Krisenherd, die Krisenart und das Krisenstadium bestimmt werden. Ein defizitäres Rechnungswesen mit Mängeln wie Unvollständigkeit, Unübersichtlichkeit, Ungenauigkeit und mangelnder Aktualität ist dabei oft zugleich Krisenindikator und Krisenverstärker! Damit hätten wir neben den obigen äußeren möglichen Krisen-Faktoren den Zahnarzt-Gegenspieler Nummer Zwei lokalisiert. Zusätzliche Erfolgshindernisse und Krisenherde sind zudem zu finden im Management, beim Kapital, dem Controlling und Personal sowie dem eigenen Marketing.
Das sind zusammen sieben vielschichtige Risikofaktoren. Meist treten sie im Doppelpack oder gar alle zusammen auf. Die Beratungserfahrung zeigt ferner, dass Krisen zum einen nicht plötzlich auftreten und zum anderen gerade dieses „scheinbar“ Plötzliche - bedingt durch die zuerst genannten äußeren Faktoren - von den Ärzten für Ihre Praxisschieflage als Primärgrund Nummer Eins genannt wird.

Weg raus aus der Krise
Aber die anderen sind nicht einzig und alleine schuld. Wer die möglichen Ursachen bei sich selber sucht, ist schon auf der Gewinnerstraße und sieht einen Silberstreif am Horizont. Auch wenn es schmerzhaft ist. Aber vor dem Sieg, d.h. dem Gewinn, steht die Anstrengung. Achten Sie beim nächsten Kinobesuch einmal auf den Weg des Filmhelden vom Beginn an, der ersten Problemkonfrontation und Aufgabenstellung, bis hin zum Happy End. Der Held muss immer in ein ihm unbekanntes Territorium hinabsteigen und hat immer etliche, sich steigernde Hindernisse zu meistern. Dies ist über Jahrtausende bewährte alte Erzähl-Tradition. Sie ist deshalb bewährt, weil sie die Realität mit ihren Schwierigkeiten abbildet. Das Leben ist eben kein Ponyhof und eine Zahnarztpraxis kein Pilcher-Roman.

Meeting the Guide – Gute Sanierung gehört in erfahrene Hände.
Aber jeder Held braucht Hilfe. Im wahren Leben wie in der Erzählung. „Meeting the Guide“ ist der Punkt an dem die Geschichte Tempo aufnimmt. Das Vorspiel ist vorbei. Das Problem ist bekannt. Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt und die Aufgabe ins Visier genommen. Allein ist dieses Vorhaben der Praxissanierung in der Regel nicht von Erfolg gekürt. Da kommt plötzlich eine „helping hand“ ins Spiel: Ihr Berater. Lassen Sie sich rechtzeitig von einem professionellen Meister der Krisen helfen und entlasten. Nur so können Sie sich auf Ihre Kernkompetenz konzentrieren und schließlich Gesundheit schaffen, was Ihre wirkliche Aufgabe ist und Ihr Berufswunsch war. Warten Sie mit der Beratersuche nicht zu lang. Am besten ist auch hier Prävention als die zielführendste Heilungsmethode. Oft werden aber die erfahrenen Experten zu spät hinzugezogen; wohl weil es für den freiberuflichen Zahnarzt auch keine juristischen, steuerlichen oder handelsrechtlichen Gründe für einen Insolvenzantrag gibt. Meist droht schon die Zahlungsunfähigkeit, der mit noch so vielfältigen und kreativen Ideen dann oft nicht mehr erfolgreich begegnet werden kann.

Veto für Zahnarzt und Patient

Wie im Film geht es genauso bei unserem Thema darum, Veränderung zu schaffen im Großen wie im Kleinen. Die Praxis muss wieder auf Kurs gebracht werden, jetzt zusammen mit Ihrem Berater, aber man darf dabei auch den Appell oder gar Kampf gegen weitere, größere Widrigkeiten nicht scheuen. Führen Sie sich Folgendes vor Augen und scheuen Sie sich nicht, es auch laut auszusprechen:
Nicht noch mehr Arbeit für noch weniger Geld! Zahnärzte sollten ohne wirtschaftlichen Druck arbeiten können. Leider ist meist das Gegenteil der Fall. Immer mehr Arbeit für weniger Geld.
Man denke nur an das Marburger Urteil* vom Juni diesen Jahres zur Leistungs-Nachweispflicht für Zahnärzte. Dabei ist es ist kein Geheimnis: Abrechnung unter Druck, macht die Abrechnung nicht besser. Kein Wunder also, dass Experten derweil mit durchschnittlich 15 % Leistungen rechnen, die vollbracht wurden, aber gar nicht abgerechnet werden. Den reichlich Kosten produzierenden, wachsenden Auflagen aus Berlin (Hygieneverordnung, QM, Qualitätssicherung) wird noch dazu weder durch die neue GOZ noch durch die letzten Versuche von Honoraranpassungen entsprochen. Die neue „Vielfalt“ der GOZ –mit eingeschlossenen das neue Liquidationsformular– machen das Gesamtkonstrukt schließlich auch nicht besser. Zahnärzte müssen aber seitens der Gesundheitspolitik entlastet werden; nur so können sie auch Gesundheit schaffen! Da dem nicht so ist, ist unser Gesundheitswesen in Gefahr. Abhilfe tut dringend Not. Nur dann hat das „Drama“ auch ein Happy End - im Großen wie im Kleinen.

* Sozialgericht Marburg, Urteil vom 20. Juni 2012 (Az: S 12 KA 152/12; Abruf-Nr. 122908)