Von der Gründung zur Sanierung

Oder: Warum Businesspläne für Praxen so wichtig sind!

Ausgangslage:
Auf Empfehlung seines Kundenberaters beauftragte der Kieferorthopäde Dr. R. Kock + Voeste mit der Erstellung einer Fortführungsprognose. Hintergrund der Beauftragung war eine akute Liquiditätsenge. Die Praxis war erst vor drei Quartalen eröffnet worden.

Analysieren.
Kock + Voeste überprüfte die Praxis- und Privatsituation unter Einbeziehung aller Praxiskennzahlen sowie die Gesamtsituation der Praxis.

Einige Ergebnisse dieser Phase:
• Die Praxis ist hochwertig ausgestattet und liegt in einem verkehrstechnisch gut erreichbaren Gebiet, jedoch mit starker Konkurrenz.
• Gesamtfallwert ist überdurchschnittlich mit guten Potenzialen.
• Die Kosten der Praxis liegen in fast allen Positionen über dem Durchschnitt.
• Der Patientenaufbau verläuft deutlich schleppender als im Finanzplan veranschlagt.
Die Verluste der Praxis überstiegen die Summe der Abschreibungen, sodass der Praxisbetrieb mehr liquide Mittel verzehrte als dadurch eingenommen werden konnten. Die fehlende Kongruenz der Investitions- und Finanzpläne führte zu einer raschen Ausweitung der Kontokorrentinanspruchnahme.

Kock + Voeste analysierte die möglichen Szenarien: Entweder muss Dr. R. Insolvenz anmelden, oder die Gläubiger verzichten auf einen Teil der Forderung, denn die „Lasten“ sind unter den bestehenden Bedingungen nicht mehr zu tragen.

Aufgrund des vorhandenen Praxispotenzials entschieden sich Bank und Praxisinhaber für eine Ablösung mit Kapitalverzicht - statt für die sonst unausweichliche Insolvenz.


Optimieren.
Da die Kosten deutlich über dem Durchschnitt lagen, überprüfte Kock + Voeste alle Einsparmöglichkeiten.
• Die sehr hohen Raumkosten sind auf Basis der anvisierten Laufkundschaft im Gebäudekomplex und Synergieeffekten veranschlagt worden. Die Vermietung der anderen Räume im Gebäudekomplex geht aber nur schleppend voran, sodass sich die erwarteten Vorteile aktuell noch nicht einstellen. Da der Standort großes Potenzial hat, wird ein Umzug nicht in Betracht gezogen. Es wird aber der Mietzins neu verhandelt.
 
• Die kundenfreundlichen Öffnungszeiten sowie die Professionalität des Personals ziehen erhöhte Personalkosten nach sich. Für den Inhaber zwar ein Dilemma, aber durch vorübergehende Teilzeitbeschäftigung konnten die Personalkosten gesenkt werden.
• Die hohen Zinskosten sind durch die von der Bank finanzierten Investitionen einerseits sowie durch die fehlgeschlagene Finanzplanung andererseits verursacht. Unterstützung der Bank durch Finanzierung der Umsetzungsbegleitung, enge Disposition im vorhandenen Rahmen in Zusammenarbeit mit Kock + Voeste sowie Ablösung durch ein anderes Kreditinstitut. Motto: „Lieber ein Ende mit Schrecken als eine Schrecken ohne Ende!“
• Verbesserung der Patientenansprache durch Suchmaschinenoptimierung und Google-Adwords-Kampagnen.
• Zusätzliche Dienste und Neupatientengewinnung durch wöchentliches Aushelfen in einer Kinderzahnarztpraxis.
• Begleitung der Vergleichsverhandlungen und Akquisition zusätzlicher, privater Mittel, um einen Besserungsschein zu vermeiden.

Gewinnen.
Der Mietzins wurde verringert, die Personalkosten gekürzt. Gleichzeitig konnte die Zahl der Patienten kontinuierlich gesteigert werden. Eine ablösende Bank und private Kapitalgeber wurden gewonnen. Auf diese Weise wurde das Risiko erfolgreich minimiert.

Fazit:
Bei der Kreditvergabe - insbesondere bei Gründungen - berücksichtigen Finanzpläne nicht immer die Gesamtsituation des Vorhabens. So kann es zu massiven Fehlkalkulationen kommen. Ein professioneller Businessplan schützt vor Liquiditätsengpässen und Verlusten.

Mehr zum Thema "Praxisgründung"

Mehr zum Thema "Praxissanierung"