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Kooperationen liegen im Trend: vor allem bei jungen Zahnärzten

03 2014 12

Erschienen in NWB "Heilberufe-Beratung direkt digital" NR. 3/2014

Stephan Kock, Geschäftsführer Kock + Voeste GmbH

Kooperationen versprechen geteilte Last und doppelte Freude. Zwar bleibt das beliebteste Berufsausübungsmodell, so belegt durch Studien wie aktuell die Existenzgründungsanalyse der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) in Kooperation mit dem Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ), nach wie vor die Einzelpraxis. Jüngere Zahnärzte jedoch entscheiden sich heute immer öfter für eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG), Tendenz weiter steigend.

Faktoren Patientendichte, Investitionsvolumen
In Groß- und Mittelstädten ist der Zuwachs an Kooperationen höher als in ländlichen Regionen. Versorgungsgrad und Patientendichte gelten als entscheidende Faktoren. Darüber hinaus spielt die Höhe der Investitionskosten eine wichtige Rolle. Wer für seine Praxisgründung mehr Kapital benötigt, sucht eher nach einer Partnerschaft. Klar, denn geteilte Kosten versprechen geteilte Risiken. Zahnärzte in Ballungsräumen suchen häufiger einen Kooperationspartner in Kleinstädten oder gar ländlichen Regionen.

Faktor Work-Life-Balance
Werte verändern sich. Das gilt sowohl für Generationen wie auch manchmal für den Einzelnen im Verlauf seines Lebens. War es in früheren Generationen für viele Menschen wichtig, wirtschaftlich sehr erfolgreich zu sein, suchen heute mehr Menschen nach einer ausgewogeneren Work-Life-Balance. Die Veränderungen gesellschaftlicher Werten zeigen sich auch im ambulanten Gesundheitswesen: Lieber mehr Sicherheit, geringere wirtschaftliche Risiken und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Eine ausgewogene Work-Life-Balance gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Geballte Kompetenz – gesteigerte Rentabilität
Auch aus medizinischer Sicht bieten Kooperationen Vorteile,denn die Kompetenzen in Diagnostik und Therapie addieren sich. Patienten profitieren von umfassender Betreuung und geringen Reibungsverlusten. Praxisinhaber erreichen eine verbesserte Auslastung von Praxisräumen und Geräten sowie optimiertem Personaleinsatz. Der einzelne Arzt gewinnt an Flexibilität, denn eine Kooperation bietet mehr Möglichkeiten zur Überbrückung bei Urlaub, Krankheit oder Fortbildung. Die Rentabilität verbessert sich, der Ertrag steigt und die Patienten werden bestens versorgt, so der Idealfall.

Kooperation planen – Verträge schließen
Die Praxis zeigt, dass viele Kooperationen scheitern, weil sie unzureichend vorbereitet wurden. Wer also eine Kooperation plant, benötigt sorgfältige Planung und umfassende Verträge. Es müssen Ziele der Zusammenarbeit festgelegt, die Eigentumsverhältnisse geregelt und klare, eindeutige Rahmenbedingungen nach außen geschaffen werden: bspw. für Entscheidungskompetenzen in Bezug auf finanzielle Fragen oder Präsentationsaufgaben. Zu klären sind u. a. Fragen zur Haftung, zum Einsatz der zahnärztlichen Arbeitskraft, zu Honorar- und Kostenverteilung sowie Zahlungsmodi. Auch sollte ein Kooperationsvertrag regeln, wie man im Falle des Scheiterns auseinandergeht, bspw. mit Festlegung von Kündigungsfristen.

Von falschen Standorten, Zielkonflikten und Reibungsprozessen
Manche Kooperationen scheitern, weil der Standort falsch gewählt wurde. Trotz aller Anstrengung kann der benötigte Umsatz nicht erwirtschaftet werden, wenn die Patientendichte zu gering, der Versorgungsgrad zu hoch ist.Noch mehr Kooperationen scheitern, weil sich Partner uneinig werden. Die Ursachen für die Konflikte können ganz unterschiedlich sein. Manchmal sind es verschiedene Auffassungen, z. B. über den Einsatz eigener Arbeitskraft und Zeit, den Führungsstil oder die Mitwirkung des Personals.
Eine gelungene Kooperation setzt auf vielen Ebenen einen partnerschaftlichen Umgang der beteiligten Ärzte voraus. Die äußeren wie inneren Ziele der Partner müssen weitgehend übereinstimmen. Äußere Ziele lassen sich in Verträgen festlegen, innere hingegen sind schwer zu fassen.

In einer gelungenen Kooperation wachsen Partnerschaft, Team und ein Wirtschaftsunternehmen zusammen. Reibungen sind Wachstums- und Reifeprozessen immanent. Diese sind wichtige Etappen, aber häufig kritische Meilensteine, die über Erfolg oder Scheitern entscheiden.

Fazit:

  • Ein professioneller Businessplan oder zumindest in eine unabhängige Machbarkeitsstudie lohnt sich. Sind erst einmal Geräte und Ausstattung angeschafft und überhöhte Mietverträge geschlossen, lassen sich etwaige Fehlinvestitionen nicht gänzlich zurückführen.
  • Die genaue vertragliche Festlegung des Rahmens lohnt sich und schont am Ende Geld und Nerven.
  • Leitbildworkshops helfen, mit den zukünftigen Partnern eine tragfähige, belastbare und gemeinsame Praxisphilosophie auszuarbeiten.

 

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